
Gut begleitet - bei allen Fragen zur Kindergesundheit
Richtig inhalieren bei Kindern
Viele Kinder benötigen vorübergehend oder regelmäßig Medikamente für die Atemwege – zum Beispiel bei einer obstruktiven Bronchitis oder bei Asthma bronchiale. Die richtige Anwendung von Inhalationsgeräten ist entscheidend für die Wirksamkeit der Therapie.
Damit ein Medikament gut wirken kann, muss es dort ankommen, wo es gebraucht wird: in den Atemwegen. Gleichzeitig sollte möglichst wenig Wirkstoff in den übrigen Körper gelangen, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Eine korrekte Inhalationstechnik ist dafür die Voraussetzung.
Da dies im Alltag nicht immer einfach ist, verweisen wir an dieser Stelle auf die sehr anschaulichen Schulungsvideos der Deutschen Atemwegsliga. Unter diesem Link finden Sie die Inhalationstechniken der in der Praxis am häufigsten verwendeten Geräte übersichtlich dargestellt.
Natürlich üben wir die Inhalation bei Bedarf auch gerne gemeinsam mit Ihnen und Ihrem Kind in der Praxis. Sprechen Sie uns bei Fragen oder Unsicherheiten bitte jederzeit an.
Wichtige Grundsätze zur Inhalation
Die folgenden Hinweise helfen, die Behandlung sicher und wirksam durchzuführen:
Dosieraerosole und Spacer
Bei der Anwendung von Dosieraerosolen, wird die Verwendung eines sogenannten Spacers (Inhalationshilfe) empfohlen. Er erleichtert die Anwendung, verbessert die Wirkstoffverteilung in den Atemwegen und reduziert Nebenwirkungen, beispielsweise Reizungen im Rachen. Pro Anwendung sollte jeweils nur ein Sprühstoß in den Spacer abgegeben werden. Kortisonhaltige Sprays sollten grundsätzlich mit Spacer inhaliert werden.
Achten Sie darauf, dass das Inhalationsgerät korrekt angewendet wird. Einige Sprays müssen vor der Anwendung geschüttelt werden – beachten Sie hierzu die Angaben im Beipackzettel. Inhalationsgeräte sollten regelmäßig gereinigt werden; das Mundstück kann im Alltag einfach mit einem trockenen Tuch gesäubert werden. Medikamente sollten grundsätzlich nicht mit anderen Personen geteilt werden.
Nach der Inhalation von kortisonhaltigen Medikamenten sollte der Mund gereinigt werden, um Nebenwirkungen im Mund- und Rachenraum zu vermeiden. Bei kleineren Kindern genügt es meist, etwas zu trinken oder eine Kleinigkeit zu essen. Die Inhalation sollte möglichst vor den Mahlzeiten erfolgen.
Pulverinhalation – eine Option für ältere Kinder
Ab etwa 6 Jahren können viele Kinder auch sogenannte Pulverinhalatoren (Trockenpulver-Inhalatoren) verwenden. Diese Geräte setzten das Medikament als feines Pulver frei, das durch einen kräftigen Atemzug in die Lunge gelangt.
Vorteil: kein Koordinationsproblem – das Pulver wird automatisch beim Einatmen freigesetzt, ein gleichzeitiges Auslösen und Einatmen (wie beim Dosieraerosol) ist nicht nötig.
Voraussetzung: das Kind muss kräftig und schnell genug einatmen können, damit das Pulver die Lunge erreicht. Für Kinder unter 6 Jahren sind Pulverinhalatoren nicht geeignet, da die Atemkraft meist noch nicht ausreicht.
Nicht ideal bei akuter Atemnot: bei einem Asthmaanfall kann die Atemkraft eingeschränkt sein – hier ist ein Dosieraerosol mit Spacer oft die bessere Wahl.
Feuchtinhalation mit einem Vernebler
Früher wurden Vernebler (Inhalationsgeräte mit Maske oder Mundstück) häufig für die Behandlung von Asthma und anderen Atemwegserkrankungen bei Kindern eingesetzt. Heute wird stattdessen meist zu Dosieraerosolen mit Spacern geraten– und das aus guten Gründen.
Die Inhalation von Medikamenten über Dosieraerosole mit Spacer ist im Alltag meist einfacher, schneller und mindestens ebenso effektiv – insbesondere bei kleineren Kindern, für die längere Vernebleranwendungen oft anstrengend sind.
Feuchtinhalation mit isotoner Kochsalzlösung (NaCl 0,9%)
Die reine Feuchtinhalation mit isotoner Kochsalzlösung (NaCl 0,9%) wird heute bei den meisten Atemwegserkrankungen nachrangig bewertet, da ein klarer therapeutischer Nutzen nicht belegt ist. Wenn Ihr Kind die Inhalation mit Kochsalz als angenehm empfindet, kann sie unterstützend angewendet werden. Eine gezielte medikamentöse Therapie ersetzt sie jedoch nicht.
Wichtige Hinweise zu den Medikamenten
Die Behandlung richtet sich immer nach der Häufigkeit und Schwere der Beschwerden. Typische Zeichen einer Verengung der Atemwege sind pfeifende Atmung, Husten, Atemnot bei Belastung oder anhaltender Husten im Rahmen von Infekten.
Grundsätzlich gilt:
Kortisonhaltige Inhalationsmedikamente dienen der langfristigen Behandlung. Sie wirken entzündungshemmend und reduzieren die Überempfindlichkeit der Atemwege, helfen jedoch nicht im akuten Anfall.
Bei plötzlich auftretender Atemnot kommt ausschließlich das verordnete Notfallmedikament (z. B. ein bronchienerweiterndes Spray wie Salbutamol) zum Einsatz.
Umgebung und Alltag
Eine möglichst reizstoffarme Umgebung unterstützt die Therapie wesentlich. Tabakrauch ist dabei einer der wichtigsten negativen Einflussfaktoren. Auch indirektes Rauchen – beispielsweise in Wohnräumen oder im Auto – kann die Atemwege erheblich belasten und den Therapieerfolg beeinträchtigen.
Eine konsequent rauchfreie Umgebung ist daher ein zentraler Bestandteil der Behandlung.
